#170 Breathwork und Kieferstress verstehen: Was dein Kiefer über dein Nervensystem verrät
- 16. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Warum Zähneknirschen, Kieferschmerzen und Stress oft dieselbe Ursache haben.
Eine spannende Interviewfolge mit Jasmin Feller & Julia Reindl
Kennst du das?
Du wachst morgens auf und dein Kiefer fühlt sich verspannt an. Vielleicht knirschst du nachts mit den Zähnen, hast immer wieder Kopfschmerzen oder bemerkst, dass du tagsüber unbewusst die Zähne zusammenbeisst.
Die meisten Menschen suchen die Ursache genau dort, wo das Symptom auftaucht: im Kiefer. Genau darüber sprechen wir in dieser Podcastfolge mit Julia Reindl, Logopädin und Gründerin von Kieferfreund. Denn oft beginnt das eigentliche Problem ganz woanders.
"Der Kiefer zeigt häufig nicht das Problem. Er zeigt, dass dein System schon lange unter Druck steht."
🎙️ Was dich in dieser Podcastfolge erwartet
In dieser Episode sprechen wir unter anderem darüber,
warum Kieferprobleme seit der Pandemie massiv zugenommen haben,
weshalb dein Nervensystem einen viel grösseren Einfluss auf deinen Kiefer hat, als viele denken,
welche Rolle Atmung, Zunge und Haltung dabei spielen,
warum Quick Fixes selten nachhaltig helfen,
und wie kleine Veränderungen im Alltag langfristig einen grossen Unterschied machen können.
😮 Kieferstress ist kein seltenes Problem mehr
Eine Aussage aus dem Gespräch hat uns besonders nachdenklich gemacht:
Seit der Pandemie haben Kieferthematiken um rund 60 % zugenommen.
Immer mehr Menschen leiden unter:
Zähneknirschen (Bruxismus)
Kieferpressen
CMD
Knacken im Kiefer
Verspannungen im Nacken
Spannungskopfschmerzen
Natürlich können diese Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben. Doch Julia beobachtet in ihrer täglichen Arbeit ähnlich wie wir immer wieder einen gemeinsamen Nenner: chronischer Stress.
Nicht der Stress eines einzelnen Tages. Sondern ein Nervensystem, das über lange Zeit unter Anspannung steht.
🧠 Der Kiefer hält oft das fest, was wir selbst festhalten
Im Podcast beschreibt Julia den Kiefer als einen Spiegel unseres inneren Zustands.
Sie erlebt immer wieder drei wiederkehrende Muster:
wir halten durch,
wir halten Gefühle zurück,
oder wir halten an etwas fest.
Der Kiefer übernimmt dabei oft die Spannung, die wir selbst gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.
"Immer wenn wir festhalten, durchhalten oder uns selbst zurückhalten, ist der Kiefer häufig mit beteiligt."
Diese Sichtweise verändert den Blick auf Beschwerden. Nicht der Kiefer ist "das Problem". Er macht häufig sichtbar, dass unser Körper schon lange versucht, mit einer hohen Belastung umzugehen.
🌬️ Warum Atmung und Kiefer untrennbar zusammengehören
Als Breathwork-Coaches war dieser Teil für uns besonders spannend. Viele Menschen denken bei Atemübungen zunächst an Entspannung.
Doch funktionelle Atmung beeinflusst weit mehr. Julia erklärt eindrücklich, wie eng Nasenatmung, Zungenposition, Kieferfunktion und Nervensystem miteinander verbunden sind.
Genau deshalb betrachten wir bei we-reconnect den Atem nie isoliert. Eine ruhige, funktionelle Atmung kann das Nervensystem dabei unterstützen, aus einem dauerhaften Alarmzustand herauszufinden. Und wenn sich das Nervensystem verändert, verändert sich häufig auch die Spannung im Körper und somit auch im Kiefer.
⚡ Viele suchen den Quick Fix – unser Körper braucht etwas anderes!
Dieser Teil des Gesprächs hat uns besonders berührt, weil uns diese Herausfoderung in unserer Arbeit auch regelmässig begegnet. Viele von uns wünschen sich die eine Übung. Die eine Behandlung. Den einen Trick. Wir verstehen das, doch nachhaltige Veränderung funktioniert selten so.
"Wir suchen ständig nach dem Pflaster. Dabei haben wir oft verlernt, geduldig dranzubleiben."
Julia vergleicht es mit einem Kind, das Fahrradfahren lernt. Es fällt hin. ➡️ Steht wieder auf. ➡️ Übt weiter.
Ohne sich nach drei Versuchen einzureden, dass es nie funktionieren wird. Genau diese Geduld fehlt uns Erwachsenen häufig. Und gerade beim Thema Stressregulation, ist Geduld entscheidend.
👨👩👧 Kinder lernen nicht durch Druck
Wir spachen auch über unsere Zukunft, die Kinder. Julia macht deutlich, dass Kinder nicht "repariert" werden müssen. Es nicht darum geht ihre Atmung zu fixen. Viel wichtiger ist es, dass die gesamte Familie neue Gewohnheiten entwickelt. Statt Druck aufzubauen, dürfen Eltern spielerisch vorleben, wie selbstverständlich Nasenatmung sein kann.
Dieser Gedanke passt wunderbar zu unserer Arbeit. Veränderung entsteht selten durch Kontrolle. Sondern durch Sicherheit, Wiederholung und Beziehung.
🤍 Unser grösstes Learning aus dieser Folge
Was uns an Julias Arbeit besonders begeistert und wunderbar zu unserem Wirken passt, ist ihr ganzheitlicher Blick auf den Menschen. Sie behandelt den Kiefer nicht als isoliertes Körperteil sondern betrachtet den Menschen als Ganzes.
Und genau darin begegnen sich unsere beiden Welten. Denn auch in der Breathwork- und Nervensystemarbeit geht es nicht darum, Symptome zu bekämpfen. Sondern zu verstehen, warum der Körper überhaupt in diesem Zustand gelandet ist.
🎧 Höre jetzt die ganze Podcastfolge
In diesem Artikel konntest du nur einen kleinen Einblick gewinnen.
Im Podcast sprechen wir noch über viele weitere spannende Themen, unter anderem:
die Verbindung zwischen Kiefer und Beckenboden,
warum Zungenposition so entscheidend ist,
den Zusammenhang zwischen Emotionen und Kieferstress,
praktische Übungen für den Alltag,
und warum nachhaltige Veränderung immer im Nervensystem beginnt.
🎥 Die vollständige Folge findest du jetzt auf unserem YouTube-Kanal natürlich auch auf Spotify und Apple-Podcast.
🌱 Unsere Einladung
Wenn dich diese Folge berührt hat – wenn du spürst, dass du weder abstumpfen noch ausbrennen willst:
👉🏽 Beginne im Körper.
👉🏽 Bleib im Dialog.
👉🏽 Handle aus Verbindung – nicht aus Angst.
Wenn du mit uns gemeinsam genau diese Thematiken kultivieren möchtest, findest du alle nötigen Informationen hier.
Von Herz zu Herz,
Jasmin & Glenn
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